TAZ, 24.9.2001
"Den diesjährigen MTV-Award für den "Best Polish Act" hat der Sänger, Texter und Saxophonist der 1982 in Warschau gegründeten Band KULT abgelehnt: zu viel Kommerz. Passend zur Haltung trägt Kazik Staszewski einen Irokesenschnitt. Schon zu kommunistischen Zeiten als Protestrocker unterwegs, konnten sie erst 1985 ihre erste Platte veröffentlichen. Elf Alben seitdem sprechen für eine andauernde Popularität in dem Ostseestaat. Ihr ironischer Umgang mit Polens Vergangenheit, die expliziten Texte mit poetischen und surrealen Tönen und nicht zuletzt ihre zwischen Melancholie und Aggression oszillierende Musik haben aber auch in Chicago, New York oder Berlin schon zu ausverkauften Häusern geführt. Mit ins Deutsche übersetzten Texten - wohl auf Handzetteln - testen KULT heute ab 20 Uhr im LOGO ihre Beliebtheit beim Hamburger Publikum."
                    

PolEcho, Oktober 2001
"Auftritt von Kazik in Hamburg - einige junge, polnische Menschen zusammen mit dem deutschen Künstler Andreas Torneberg organisierten ein Konzert, bei dem es schien, es unter hiesigen Bedingungen nur schwer realisieren zu können. Die Gruppe KULT, denn über sie geht es hier, spielte in einem vollen Saal des Clubs LOGO. Erstaunlicherweise ist es bei diesem musikalischen Ereignis eine Tatsache, daß die Organisatoren zum ersten Mal in solchem Rahmen versuchen, auch deutsches Publikum für polnische Rockmusik zu interessieren. "Wir möchten euch die Polen in einem anderen Licht zeigen, als in dem, in dem uns die Deutschen meistens sehen: viel Folklore, Würste und solche Dinge. Kazik mit seiner Band sind Musiker von höchster Klasse mit einem weiten Radius. Sie sind unnachahmlich, und wie wir meinen, mit sehr polnischem Charakter - mit dieser individuellen und unabhängigen Seite ist unser Land leider in Hamburgt unbekannt geblieben..." - sagt Bartek Tutorski, einer der Organisatoren. Die Grundlage, wie dieses Konzert zustande kommt, ist auch interessant. Alle am Projekt beteiligten Personen arbeiten gemeinschaftlich mit großen Engagement ohne jede Unterstützung seitens polnischer Institutionen. "Das ist wirklich erstaunlich! Soviele hilfsbereite junge Menschen, die selbstlos daran mitarbeiten, sogar nicht mal an irgendeine Bezahlung denken, außer natürlich einem freien Eintritt..." Wir laden ein zu einem einmaligen Konzert!"
                    

Darmstadter Kulturnachrichten,, September 2002
"Grenzen sprengen versucht die Centralstation zwar sowieso. Mit der polnischen Kultband KULT erhält sie bei diesem Unterfangen aber Unterstützung von kompetenter Seite. Seit zwanzig Jahren mischen die sieben Musiker um Frontmann Kazik Staszewski die Szene ihres Landes auf - die Antwort Polens auf die Rolling Stones sozusagen. Anders als die Stones ist KULT politisch geblieben, die Texte Kaziks setzen sich ebenso emotional wie poetisch mit der Wirklichkeit in Polen auseinander. Entscheidend sind allerdings nicht die Texte, sondern die Musik, und hier ist KULT ähnlich vielseitig wie die Stones - mal lyrisch, mal rockig, mal ruhig, mal fetzig, und immer wieder neu. Die Sprachbarriere, die bislang noch beinahe unüberwindlich scheint, kann man deshalb getrost vergessen. "Alle reden über Europa. Wir versuchen, mit Musik grenzen zu sprengen", sagt Kazik Staszewski. Zwei Tage nach ihrem Auftritt in der Centralstation wird übrigens im Deutschen Polen-Institut eine Ausstellung eröffnet. Der Hamburger Maler Andreas Torneberg war von KULT so begeistert, daß er dieser Band und Warschau, der "wilden Stadt", einen eigenen Bilderzyklus gewidmet hat."
                    

Darmstädter Echo, 9.09.2002
"Bist du ein Konsument? - Die polnische Rockband KULT zu Gast in der Darmstädter Centralstation.
Wenn der Konsument weiß, dass es modisch ist, unterhält er sich über den Krieg im Osten. Er sagt, was er aus dem Radio und den Zeitungen erfahren hat. Bist du ein Konsument? < Kazik Staszewski, der stämmige Sänger mit Punkfrisur der polnischen Band KULT, schleudert diese Frage den zuhörern immer wieder um die Ohren, und die singen begeistert mit. Es ist freitagabend, und die Darmstädter Centralstation scheint sich in einen Warschauer Musikclub verwandelt zu haben. Viele Polen sind aus dem Bundesgebiet angereist, um eine ihrer populärsten Bands live zu erleben. In polen hat KULT längst Kultstatus erreicht. So wurde Kazik im letzten Jahr mit dem MTV-Award 2001 als bester polnischer Sänger ausgezeichnet, doch er lehnte den Preis ab. Er wolle mit dem Kommerz nichts am Hut haben, so der Sänger im Gespräch. Mit seiner kritischen Haltung sowohl gegenüber dem Showgeschäft als auch dem politischen Establishment in seiner Heimat hat er sich eine große Fangemeinde erspielt. Aber auch Kritiker in Kirche und Staat. In Polen tritt die Band an manchen Abenden vor über zehntausend Gästen auf. In der Centralstation sind es an diesem Abend 600 Konzertbesucher. Zuhörer, die kein Polnisch können, verstehen natürlich nicht, wovon Kaziks Lieder handeln und was die Menge begeistert mitsingt. Die KULT-Band bewegt sich geschickt zwischen Punkrock, Pogo, Folklore und Reggae. Ein furioser Mix und eine Bandbreite, die oft innerhalb eines Liedes abgedeckt wird. Wieviel Witz und Ironie KULT eigen ist, wird in Liedern wie "Parade der Erinnerungen" oder "Ich weiss es" deutlich, wenn die Band Folklore mit Pogo mischt. > Morgendliche Röte, morgendliche Röte, wenn ich in Sopot zu Meer gehe, auf schmutzig-sandigem Strand, stinkt die Ostsee nach Öl. < Poesie und Häßlichkeit liegen für KULT dicht beieinander. Vor allem in ihrer Heimatstadt Warschau.
Ein deutscher Künstler, Andreas Torneberg, hat der Band eine Ausstellung mit seinen Bildern gewidmet. in ihnen wird der Umbruch eines Landes eindrucksvoll dokumentiert, für den Kazik die richtige Sprache gefunden hat. Seine Fans danken es ihm an diesem Abend mit kräftigem Applaus."
                    

Frankfurter Rundschau, 30.08.2002
"Polnischer Kult in der Centralstation - Am 6.September spielt in der Darmstädter Centralstation die polnische Independent-Band KULT mit ihrem Leader Kazik Staszewski. Das Konzert steht in Verbindung zur Ausstellung "Kult aus Warschau-die wilde Stadt" von Andreas Torneberg, die am 8.September im Deutschen Polen-Institut eröffnet wird. Die Gruppe KULT wurde Anfang 1982 in Warschau gegründet und zählt zu den ältesten aktiven Rockgruppen in Polen. Die Band, die sowohl unter dem kommunistischen System, als auch nach der Wende gegen das politische und gesellschaftliche Establishment war, durfte erst drei Jahre nach ihrer Gründung und Kampf mit der Zensur 1985 die erste LP veröffentlichen. Musikalisch sucht KULT vielfältige Inspirationen bei Rock, Punk, Jazz und Rap."
                    

Main-Echo Aschaffenburg, 9.09.2002
"Tanzbare Töne zwischen Polska-Pogo und Blitzkrieg-Bop - Warschauer Rockgruppe KULT in der Darmstädter Centralstation. Nein, verkaufen lässt sich Kazik Staszewski nicht, auch wenn er in seinem Lied "Ich weiss es" singt: > Am besten ist das, was sich verkauft. Beschissen ist, was sich nicht verkaufen läßt. < Staszewskis Kompositionen für die Rockband KULT lassen sich nicht an die herrschende Klasse - das real existierende Kapital - verkaufen. Sie sind das Hohe Lied auf den Aufstand der Anständigen - und damit euphorisiert der Sänger und Saxophonist nicht nur in der Darmstädter Centralstation sein Publikum: Im zwanzigsten Jahr des Bestehens versteift sich die Warschauer Rockgruppe KULT nach wie vor auf ein Außenseitertum in einem Kunstgenre, das längst zum Business geworden ist - und bietet ihren Zuhörern insofern eine tragfähige Plattform zum Kokettieren als Underdogs. Derartiger Erfolg wird gerne belohnt und gleichzeitig vereinnahmt für Moden und Geschäfte, und es spricht für Staszewski, wenn er konsequent Preise wie den MTV Musik Award 2001 für die beste polnische Rockgruppe mit der Begründung ablehnt, sich von Kommerz und Vermarktung nicht vereinnahmen lassen zu wollen. Dabei vermarktet KULT selbst in einem überbordenden Maße zeitgenössische Musik als Aufschrei aus der Ohnmacht. Punk, Rap, Jazz, klassischer Rock werden vor einer Sparsamen Bühnenshow zu einer extrem tanzbaren Kakophonie der Entrüstung verflochten: Gegen Militarisierung, Konsum, Klassenschranken, Rassenhass ziehen KULT ins Feld und leben doch über weite Strecken und in der Mehrzahl ihrer Lieder von der Vergangenheit. > Die Strassen versinken in Rot / Wir haben Steine in den Händen / Ein Widerstand ans revers geheftet / Ach, wie wunderbar war es < singt Staszewski mit stark an Joe Strummer erinnernder Stimme immerhin erstaunlich ironisierend in der "Parade der Erinnerungen". Derartiges Gedankengut entfesselte bei dem vor allem aus jungen Polen bestehenden Publikum in Darmstadt den Rausch des Kollektiven: Während musikalisch vergleichbare Bands aus England und Skandinavien Trance als Ausdruck des Individuellen zelebrieren, verstehen sich Staszewski und sein Sextett ganz offensichtlich als Speerspitze einer lawinenartig losbrechenden politischen Bewegung.
Die während des Konzerts im Hintergrund ablaufenen Bildfolgen des Hamburger Künstlers Andreas Torneberg orientieren sich - welch ein Zynismus! - an grob gehauenen Heldendarstellungen aus nationalsozialistischer und stalinistischer Ära, vor der Bühne wird der Polsla-Pogo vom Blitzkrieg-Bop der Band gelenkt. Auch das fällt auf: KULT haben ihre Form der Rebellion bei den "Ramones" und "Clash" gelernt, setzen auf Verve und Geradlinigkeit im musikalischen Ausdruck, auf Eindeutigkeit in der textlichen Aussage - und sind in ihrer Weltsicht in den späten 70ern und frühen 80ern stehen geblieben. ..."
                    
                    
                    
Wiesbadener Kurier, 9.09.2002
"Munter rumpelnde Rhythmen - die polnische Rockband KULT in der Darmstädter Centralstation.
Nachdem der eiserne Vorhang gefallen ist, sollte ein reger Austausch unter Musikern, der nicht immer nur über den großen Teich geht, möglich sein. Doch gute Rock-Gruppen aus dem ehemaligen Jugoslawien, aus Ungarn, Rumänien und auch Polen sind hierzulande seltener auf einer Bühne zu erleben als etwa - der Weltmusikboom zu Beginn der 90er Jahre machte es möglich - senegalesische oder südafrikanische Bands. Es liegt nicht zuletzt an den umständigen Vertriebswegen der großen Plattenfirmen, dass man eine CD von osteuropäischen Rockern einfach nicht in die Hand bekommt. So bedurfte es auch im Vorfeld des Darmstädter Gastspiels der Gruppe KULT, die sich bereits 1982 in Warschau formierte, reger Verhandlungen mit dem Deutschen Polen-Institut. In der Centralstation wurden die sieben Musiker denn auch wie die verlorenen Söhne lautstark begrüßt. Leider von überwiegend polnischen Fans. Dabei mag es an der Musik nicht liegen, dass die Mannen um Sänger Kazik Staszewski hierzulande so gut wie unbekannt sind. Es ist ein durchaus geschicktes, manchmal originelles, selten sogar verwegenes Amalgam aus Musikstilen, die die Rockmusik in den vergangenen 30 Jahren hervorgebracht hat. Muntere rumpelnde Rock- werden mit Polka-Rhythmen gepaart, darüber schwebt stets die ungewöhnliche Bläserkombination aus Waldhorn (Krzysztof Banasik) und Trompete (Janusz Zdunek). Ein Punk- und Skafeuer, vom Rhythmusteam Ireneusz Werenski (Bass) und Tomasz Goehs (Schlagzeug) daruntergelegt, hält die ganze Sache stets am Lodern. Es sind keine großen oder gar virtuosen Solisten am Werk, sondern musikbegeisterte Handwerker, die hörbar und sichtlich Spaß an der Sache haben. Und da kommt die Cruix eines KULT-Konzertes in Deutschland zum Tragen.Denn eigentlich ist KULT, von Piotr Morawiec (Gitarre) und Janusz Grudzinski (Keyboard) komplettiert, eine rein politische Band.Ob Regierungs- oder Religionskritisches angesprochen wird, ob Konsumgeilheit nach der Wende oder Vergnügungssucht der Kids unter die Lupe genommen wird: Die poetischen Texte, die in der Regel der mit gemäßigtem Irokesenschnitt über die Bühne stapfende Leader Kazik Staszewski verfasst hat, sind es Wert, gehört zu werden. So bleibt es ein ausgelassenes, von polnischen Anhängern kultig gefeiertes Konzert, das Hunger auf mehr Musik made in Polen machte."


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